FAZ.NET, 25.08.2026
HOFHEIM
Eine Stadt in Zahlen
Der Nachhaltigkeitsbericht in Hofheim entsteht vor allem dank ehrenamtlichen Engagements.
Andrea Diener
Ein Nachhaltigkeitsbericht ist ein komplexes Werk. Zahlen, sowohl aktuelle als auch historische, wollen besorgt werden, realistische Sollwerte müssen bestimmt, viele kleine Faktoren müssen quantifiziert werden, damit sie für den Bericht überhaupt erfasst werden können. Harald Lührmann ist bei der Lokalen Agenda Hofheim, einer Organisation zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung, für die Koordination des Nachhaltigkeitsindex zuständig. Er und seine Mitstreiter erarbeiten zusammen mit städtischen Vertretern in einer Arbeitsgruppe die Ziele. Es braucht viele Sitzungen und viele Anrufe bei Landesämtern, um an belastbare Zahlen zu kommen.
Das sei so für die Lokale Agenda nicht mehr leistbar, sagte Stadtrat Daniel Philipp (Die Grünen) bei der Vorstellung des Berichts in der Hofheimer Stadthalle, denn der Zeitaufwand werde bislang vor allem ehrenamtlich bewerkstelligt.
Auch wenn das den Ehrenamtlichen über den Kopf wächst, weiterführen möchte man den regelmäßigen Bericht dennoch. Kaum sonst lässt sich so nüchtern in Zahlen ausdrücken, wo eine Stadt steht - auch wenn die Parameter sich immer wieder ändern, Kriterien wegfallen oder hinzukommen. So lässt sich ablesen, dass Hofheim bei den bisherigen Berichten vor allem dank eines vermeintlich soliden Haushalts gut dastand, es bei den ökologischen Werten aber haperte. Dass sich die Stadt in grünen Feldern so stark verbessern konnte, macht angesichts roter Zahlen Mut und spornt an. Auch sind im Bericht viele konkrete Aktionen benannt, von der Baumpflanzaktion der Bürgerstiftung über die interkulturelle Woche bis hin zum städtischen Nahmobilitätscheck, der Radlern und Fußgängern das Leben erleichtern soll. Auf diese Weise geht das, was jeder Einzelne tut, in die Bewertung der Stadt ein.
Der aktuelle Bericht liegt nun vor, er wird in die Gremien eingebracht und von den Stadtverordneten beschlossen. Und dann? "Der Verwaltung wird überlassen, wie das Werk genutzt wird", so Stadtrat Philipp. Hohe Erwartungen dämpft er lieber schon im Vorhinein: "Ich habe in Gremien aber noch nie gehört, dass darauf basierend Haushaltsmittel bereitgestellt wurden, um Indikatoren gezielt zu verbessern", sagte er bei der Bürgerversammlung in der Stadthalle. Die gute Nachricht ist: Auch wenn die Stadt keine Mittel bereitstellt, so kann jeder Einzelne etwas bewirken. Es muss ja nicht gleich ein Nachhaltigkeitsbericht sein. Es würde schon reichen, wählen zu gehen, um den niedrigen Wert des Ziels "Wahlbeteiligung" endlich einmal nach oben zu treiben.F.A.Z.
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FAZ.NET, 25.08.2026, von Andrea Diener
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