F.A.Z., 25.08.2026, Nr. 196, Rhein-Main-Zeitung, S. 2
Die Ziele zu 64 Prozent erreicht
Hofheim Die Stadt stellt ihren Nachhaltigkeitsbericht vor. Im Naturschutz hat sich einiges getan. Insgesamt steht die Stadt besser da als Kreis und Land, doch Grund zum Jubeln gibt es nicht.
Von Andrea Diener
Seit dem Jahr 2009 erstellen die Lokale Agenda 21 und die Hofheimer Stadtverwaltung mit ihrem Fachbereich für Klimaschutz und Umwelt gemeinsam den Nachhaltigkeitsbericht - der nun vorliegende ist der vierte. Bei einer Bürgerversammlung wurde er der Öffentlichkeit vorgestellt und erläutert. Er soll den Ist-Zustand der Stadt möglichst präzise erfassen, gibt aber keine Handlungsempfehlungen.
"Nachhaltigkeit ist ein großes Wort. Ebenso wie Partizipation und Ökologie. Deshalb ist es wichtig, solche abstrakten Begriffe auf konkrete Dinge herunterzubrechen", schreibt Bürgermeister Wilhelm Schultze (BfH) in seinem Vorwort. Diese konkreten Dinge sind im Nachhaltigkeitsbericht genau definiert. Als Grundlage gelten die 17 internationalen Nachhaltigkeitsziele, wie sie 2015 von den Vereinten Nationen beschlossen wurden. Enthalten sind Projekte zum Klima- und Gewässerschutz sowie nachhaltige Produktion, aber auch gesellschaftliche Themen wie Geschlechtergerechtigkeit und Bildung.
Diese 17 Ziele werden im Bericht auf lokale Gegebenheiten heruntergebrochen: Wie viele Radwege gibt es? Wie steht es um das Recycling? Gibt es demokratische Partizipation an politischen Prozessen? Dazu wird definiert, was schon erreicht wurde und wo das Wunschziel liegt.
Wenn die Stadt zum Beispiel "weniger Müll" als Ziel definiert, so muss zunächst quantifiziert werden, wie viel Müll überhaupt entsteht. Dies geschieht getrennt nach Hausmüll und Siedlungsabfällen - dazu zählen dann auch Sperrmüll und Straßenkehricht - in Kilogramm pro Einwohner pro Jahr. Hat die zuständige Arbeitsgruppe definiert, um wie viel diese Menge idealerweise schrumpfen soll, nämlich auf 68,4 Kilogramm Hausmüll und 276 Kilogramm Siedlungsabfälle, können die beiden Indikatoren noch gewichtet werden. Im Nachhaltigkeitsbericht ist der Hausmüll mit 70 Prozent gewichtet, denn darauf hat der Anwohner im Alltag den meisten Einfluss.
Am Ende wird der Wert in eine Quote umgerechnet, die den Stand der Dinge auf einen Wert zwischen null und 100 herunterbricht. Hundert bedeutet dabei das vollständige Erreichen des definierten Zielwerts, denn gar kein Abfall ist schließlich kein realistisches Ziel. In Sachen Hausmüll liegt Hofheim erst bei einem Wert von 42, hat sich aber immerhin von 31 ordentlich gesteigert. Bei den Siedlungsabfällen stieg der Wert sogar von 44 auf 76. Als Ausgangswert dienen Zahlen aus den frühen Nullerjahren, also vor dem ersten Bericht, die aktuellen Werte sind Zahlen aus den Jahren 2020 bis 2025, also seit dem letzten Bericht.
Die vielen einzelnen Punkte wurden in vier Blöcke eingeteilt: Ökologie, Ökonomie, Gesellschaft/Soziales und Partizipation. Besonders mit der Ökologie ging es in Hofheim voran, von einem Wert von 50 auf 59. Richtig gut ist das zwar immer noch nicht, aber besser als der bundesweite Durchschnitt mit einem Wert von 50. Vor allem auf den Gebieten Lebensraum und Biodiversität gibt es Punkte, bei Mobilität und Müll kann sich die Stadt noch deutlich verbessern. Auch verbrauchen die Hofheimer mehr Wasser, immerhin aber ist der Schwarzbach sauberer.
Ökonomisch steht die Stadt trotz Haushaltsdebakel gut da, der Wert stieg von 62 auf 65. Die Arbeitslosigkeit ist gering, die Preise sind stabil, die Versorgung ist gut. Im betrieblichen Umweltschutz liegt der Wert jedoch erst bei 25.
In den beiden gesellschaftlichen Disziplinen ging es dagegen auf hohem Niveau leicht abwärts. Auf dem Gebiet Gesellschaft und Soziales von 71 auf 64. Der städtische Klimaanpassungsmanager Till Bärtels führt diese Werte auch auf Nachwehen der Pandemie zurück, da das kulturelle Angebot in dieser Zeit stark zurückgegangen sei. Weil Hofheim aber sehr sicher ist, die Bevölkerung gesund und das Armutsrisiko gering, steht die Stadt dennoch gut da.
Für die Partizipation sank der Wert leicht von 71 auf 67. Bei der Teilhabe etwa von Senioren oder Menschen mit Beeinträchtigung steht die Stadt zwar gut da. Allerdings ist die Wahlbeteiligung nicht besonders hoch, und die Beurteilung der mobilen Pflegeangebote verschlechterte sich.
Immer wieder werden Parameter des Nachhaltigkeitsberichts verändert. Zum Ziel "Schonender Umgang mit dem Wald" wurde der Grad der Kronenverlichtung ergänzt, um den tatsächlichen Zustand der Bäume besser abzubilden. Für die Ökonomie werden nun auch Existenzgründungen und die Breitbandversorgung erfasst. Das Ziel "hohes ehrenamtliches Engagement" hingegen wurde aus dem Block "Partizipation" gestrichen - nicht weil es unwichtig wäre, sondern weil die Datenlage zu schlecht ist.
Insgesamt hat Hofheim im Vergleich zum Landes- und Bundesdurchschnitt eine gute Position. Alle Ziele zusammengenommen, wobei Ökologie und Ökonomie mit jeweils 30 Prozent am höchsten bewertet wurden, kommt es auf einen Zielerreichungsgrad von 64, wobei 100 ein durchaus erreichbares Ideal darstellt. Der Main-Taunus-Kreis liegt bei 58, das Land Hessen bei 54 und Deutschland bei 52. Der vollständige Nachhaltigkeitsbericht kann auf der Homepage der Stadt Hofheim heruntergeladen werden.
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F.A.Z., 25.08.2026, Nr. 196, Rhein-Main-Zeitung, S. 2, Die Ziele zu 64 Prozent erreicht, von Andrea Diener
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